Die systemische Herangehensweise wird auch im Bereich der sozialpädagogischen Kinder- und Jugendarbeit immer mehr Bestandteil der professionellen Arbeit. Die Weiterbildung richtet sich speziell an Fachkräfte aus diesem Bereich mit der Möglichkeit, systemisches Denken und Handeln in ihrem Tätigkeitsbereich anzuwenden. Ziel ist die Erweiterung der sozialpädagogischen Handlungskompetenz. Es wird prozesshaft eine zur eigenen Persönlichkeit passende systemische Haltung entwickelt.

Art und Umfang der Weiterbildung: Die Weiterbildung ist für eine feste Gruppe von 14 Teilnehmer*innen konzipiert. Sie erstreckt sich über einen Zeitraum von neun Monaten und umfasst insgesamt 120 Stunden. Es wird ein Zertifikat „Fachkraft für Systemische Beratung in der Kinder- und Jugendarbeit“ ausgestellt, in dem Umfang und Inhalt der Weiterbildung detailliert beschrieben sind.

Inhalte der Weiterbildung sind unter anderem: Grundzüge systemischen Denkens und Handelns, Rolle und Selbstverständnis der Fachkraft, institutioneller Kontext, Möglichkeiten und Grenzen systemischer Beratung in der sozialpädagogischen Arbeit und Umgang mit Krisen. Das Lernen erfolgt anhand von Theorievermittlung, Erprobung verschiedener systemischer Methoden, Reflexion der Praxiserfahrungen und Selbsterfahrung.


      Die Veranstaltungen finden in den ver.di-Höfen in Hannover statt. Block III findet als online-Seminar per Zoom statt, Sie benötigen Notebook oder Tablet mit Mikrofon, Kamera und Lautsprecher. Die Peergroup-Treffen werden in den jeweiligen Kleingruppen selbst organisiert.

        Module

        Modul 1: Systemtherapeutische Modelle, Kennzeichen systemischer Haltung, Familie als soziales System
        Die Teilnehmer*innen lernen sich gegenseitig kennen und formulieren ihre Erwartungen an die Weiterbildung. Anhand eines Überblickes über systemtherapeutische Modelle von der Kybernetik erster Ordnung zur Kybernetik zweiter Ordnung bis hin zu neueren Entwicklungen wird die theoretische Basis geschaffen. Die Besonderheiten systemischer Haltung werden benannt und an Praxisbeispielen verdeutlicht. So füllen sich Schlagwörter, wie Autonomie, Zirkularität, Neutralität und Ressourcenorientierung mit Inhalt. Abschließend werden die Besonderheiten der Familie als soziales System benannt.

        Modul 2: Genogramm Arbeit
        Genogramme dienen der übersichtlichen Darstellung von komplexen Familiensystemen. Neben den eigentlichen Fakten geht es dabei immer auch um die dahinterstehenden Geschichten. Wie wurden z.B. Lebensübergänge gestaltet und Krisen bewältigt? Wie hängt die Familiengeschichte mit den geschichtlichen und kulturellen Hintergründen zusammen? Welche Muster sind zu beobachten? In diesem Modul werden zunächst die Grundzüge eines Genogramms erklärt und eine Einführung in die Erstellung gegeben. Anschließend werden Hypothesen zu Beispiel Genogrammen aus der Praxis gebildet.

        Modul 3: Hypothesenbildung und zirkuläres Fragen
        Aus systemischer Sicht gibt es keine objektiven Wahrheiten. Wirklichkeit ist immer nur subjektiv wahrnehmbar und im sozialen Kontext erfassbar. Daher stützt sich der Beratungsprozess auf Hypothesen. Diese vermuteten Zusammenhänge und Erklärungsversuche bilden die Grundlage für neue Fragen. Zirkuläres Fragen zielt dabei auf die Bedingtheit menschlichen Verhaltens ab und bezieht verschiedene Perspektiven Dritter in die Lösungsfindung ein. In diesem Modul werden diese grundlegenden Techniken systemischer Beratung erklärt und vor allem geübt.

        Modul 4: Systemaufstellungen
        Aufstellungen mit Figuren oder Personen ermöglichen einen Blick ins System. Welchen Sinn machen die Figuren, Symbole, Emotionen der Personen, Positionen, Blickrichtungen und Entfernungen unter Berücksichtigung der Geschichte und der zu bewältigenden Aufgaben eines Systems? Welche Veränderungen lösen welche Konsequenzen für die verschiedenen Beteiligten aus? Die Herstellung einer Veränderung im Bild löst dabei in der Folge häufig Veränderungsschritte in der Praxis aus. In diesem Modul werden Aufstellungen durchgeführt und die ablaufenden Prozesse reflektiert.

        Modul 5: Lösungsorientierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
        Anhand des „Ich schaff ́s“- Programmes von Ben Furman und anderer lösungsorientierter Verfahren wird ein konkretes Handlungsprogramm für die Praxis vorgestellt und ausprobiert - von der Problemtrance zur Lösungstrance. Dabei geht es um die Förderung von Selbstverantwortung, die Aktivierung von Ressourcen, den Aufbau von Unterstützernetzwerken und die Entwicklung einer Haltung von Optimismus und Zuversicht.

        Modul 6: Systemische Arbeit in verschiedenen Kontexten
        Anhand von Theorien, Beispielen und Übungen wird erarbeitet, wie systemische Arbeit in verschiedenen Kontexten umsetzbar ist, z. B. in der institutionellen Betreuung von Kindern und Jugendlichen, der Jugendarbeit oder dem „Zwangskontext“ Jugendhilfe. Dabei werden auch gesellschaftliche und rechtliche Hintergründe und das Arbeiten im interkulturellen Bereich berücksichtigt.

        Modul DIG: Vertiefungsmodul Digitale Kompetenzen
        In vielen Bereichen der sozialpädagogischen Arbeit ergänzt die digitale Kommunikation mittlerweile die persönlichen Kontakte. Sie funktioniert anders und eröffnet neue Möglichkeiten, wenngleich sie die persönliche Betreuung und Beratung nicht ersetzen kann. Zunächst erfolgt eine allgemeine Einführung in technische Möglichkeiten (Zoom) und digitale Methoden. Je nach Arbeitsfeld der Teilnehmer*innen werden digitale Kompetenzen in den Bereichen virtuelle Zusammenarbeit im Team, digitale Teamkonferenzen, Teamentwicklung, Möglichkeiten in der Leitungsrolle, Beratungsgespräche online, Kontakt halten und Gruppengespräche mit Kindern und Jugendlichen weiterentwickelt.

        Modul SV: Systemische Fallsupervision
        Mitgebrachte Fälle der Teilnehmer*innen werden anhand von systemischen Methoden supervidiert. Dabei geht es neben der Perspektive auf die Kinder und Jugendlichen und deren Familien immer auch um die eigene Rolle, das eigene Selbstverständnis und die Bedeutung der beteiligten Institutionen als Kontext der Arbeit. Voraussetzung für die Erlangung des Zertifikates ist das Einbringen von mindestens zwei eigenen Fällen/ systemischen Fragestellungen. Im letzten Supervisionstermin findet eine Abschlussreflexion des Lernprozesses im Laufe des Seminars statt.

        Modul Praxistag DIG
        An diesem Tag werden Fragen der Teilnehmer*innen zu ihrer Organisation, ihrem Team, ihrer Leitungsrolle und ihrer Arbeit mit den Adressaten anhand von digitalen systemischen Methoden online supervidiert. Zusätzlich zur inhaltlichen Lernerfahrung wird auf der Metaebene reflektiert, was die Besonderheiten der online-Arbeit sind und was den Unterschied zur Arbeit in Präsenz ausmacht.

        Modul SE: Selbsterfahrung
        In Vorbereitung auf dieses Modul wird ein eigenes Familien Genogramm erstellt. Häufig ist es dabei hilfreich, dass eigene Wissen um die Familiengeschichte durch Nachfragen bei Eltern, Großeltern oder weiteren Bezugspersonen zu ergänzen. In der Arbeit im Seminar werden dann Hypothesen über Familienmuster, Musterunterbrechungen und gewonnene Ressourcen aus der Familiengeschichte gebildet und der persönliche Anteil für die praktische professionelle Arbeit verdeutlicht. Weitere Übungen bzw. Fragestellungen zur Selbsterfahrung schließen sich an, z. B. Fragen zu Identität und Namen und zum aktuellen Stand der privaten und professionellen Entwicklung und den anstehenden Entwicklungsaufgaben.

        PG: Peergroup 25 Stunden
        In selbst organisierten Studiengruppen werden der Inhalt der Weiterbildung und die Praxiserfahrung reflektiert, Methoden geübt und Literatur besprochen

          Termine

          Die Weiterbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa neun Monaten. Die Module werden in 5 Blöcken zu jeweils 3 Tagen zusammengefasst

          27. - 29.04.2022 - Block I: Modul 1, Modul 2, 1 Supervisionstag

          06. - 08.07.2022 - Block II: Modul 3, Modul 4, 1 Supervisionstag

          07. - 09.09.2022 - Block III: Modul 5, Modul DIG, 1 Praxistag DIG

          06. - 08.10.2022 - Block IV: Selbsterfahrung

          15. - 18.11.2022 - Block V: Modul 6, 2 Supervisionstage

          Teilnahmevoraussetzungen

          • Tätigkeit als Fachkraft in der sozialpädagogischen Arbeit mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung
          • Möglichkeit des Einsatzes der Weiterbildungsinhalte in der praktischen Arbeit

          Abschluss

          Voraussetzungen für die Erlangung des Zertifikates

          • Die regelmäßige Teilnahme an allen Modulen (Mindestens 80 %, Selbsterfahrung 100 %)
          • Das Einbringen von zwei eigenen Fällen/Themen in die Supervision
          • Das Beschreiben von zwei selbst durchgeführten Beratungs-/Betreuungsprozessen anhand eines Leitfadens
          • Die Bereitschaft zur Reflexion der eigenen Familiengeschichte in der Selbsterfahrung
          • Die Dokumentation der Peergroup-Treffen

          Beginn

          27. April 2022

          Umfang

          15 Tage

          Veranstaltungsorte

          Online


          Bildungswerk ver.di
          Goseriede 10
          30159 Hannover

          Kosten

          3.000,- € ohne Förderung
          360,- € mit Förderung

          Für eine Beratung zu Förderungsmöglichkeiten, sprechen Sie uns gerne an.

          Referent

          Jürgen Schuba

          In Kooperation mit

          Ansprechpartnerinnen

          Pädagogische Verantwortung

          Ursel van Overstraeten


          Seminarorganisation

          Alexandra Stoßnach
          Tel.: 0511 12400-410
          Fax: 0511 12400-420